Wie alles begann

Die Geschichte der Geschichte

In Anlehnung an: Unbekannt

Jede Geschichte hat ihre Historie, ihre eigene Geschichte – so auch die „Octavian-Saga“. Die Ursprünge der Erzählung reichen bis in das Jahr 1980 und vermutlich sogar noch bis nach 1979 zurück. Wer träumt als Jugendlicher nicht davon, Teil von etwas ganz Großem, etwas ganz Besonderen zu sein? In dieser Zeit, ich war damals 13 oder 14 Jahre alt, be­gannen für mich die Umbrüche und Veränderungen, die Mutter Natur für dieses Alter nun einmal vorgesehen hat. Eine Zeit mit vielen Unbekannten, vielen Veränderungen, Enttäu­schungen und Hoffnungen. Die Emotionen verhielten sich ähnlich konstant wie die Kurs­verläufe an der Börse und so suchte mein mit Phantasie gesegneter Geist unbewusst nach etwas, das mir zunächst verborgen blieb.

Ursprüngliches, handgezeichetes Cover
für Teil 1, Anno 1979

Ursprüngliches, handgezeichetes Cover
für Teil 2, Anno 1980

Die Schule hatte mich für die Römische Geschichte begeistert. Die Größe und Stärke ihrer Kultur, ihrer Armee und ihrer Macht übte eine gewisse Faszination auf mich aus, ohne dass ich beschreiben könnte, weshalb. Das alleine hätte vermutlich nie dazu geführt, mit dem Schreiben einer Geschichte zu beginnen. Doch bei mir kam ein weiterer Auslöser hin­zu: ein Lied der deutschen Band „Dschinghis Khan“, die mit dem gleichnamigen Titel am Grand Prix Eurovision de la Chancon teilgenommen hatte. So zumindest hießen diese zum Teil recht anstrengend anzusehenden „Casting-Shows“ damals … Dschinghis Khan brachte im Versuch, den in Deutschland erstaunlichen Erfolg zu wiederholen, das Lied „Rom“ heraus. Es war kraftvoll komponiert und spülte bei mir ungeahnte Energien nach oben.

Diese Energie-Infusion inspirierte mich dazu, mir einen dünnen Filzstift von Vaters Schreibtisch zu „leihen“ und auf DIN A 5- Zetteln die Geschichte von „Sven“ aufzuschrei­ben. Die ersten Seiten füllten sich rasch und – wie ich fand – auch spannend.

Nachdem der erste Energieanflug der Routine gewichen war, nahm ich mir vor, jeden Tag fünf Seiten zu schreiben – mit der Hand, viel Optimismus und deutlich weniger Konzept als es für eine solche Handlung notwendig ist. Und obwohl ich mich diszipliniert immer wieder an den Schreibtisch setzte und immerhin etwa 360 (!) Seiten zusammenschrieb, stellte ich bald fest, dass für diesen ungemein langen „Schulaufsatz“ mehr Planung, mehr Konzept notwendig war, als ich damals entwickeln konnte.

Da andere Interessen meine Aufmerksamkeit in Anspruch nahmen, wurden die mühsam beschriebenen Seiten zunächst einmal in eine Schublade verbannt. Dort hielten sie ca. 25 Jahre still, vermehrten sich nicht und meldeten sich erst, nachdem meine Fähigkeit zur „Planung“ durch ein wenig mehr Lebenserfahrung und ein technisches Studium geschliffen worden waren. Im Jahr 2003 drängte sich die alte Geschichte wieder auf. Die Unzuläng­lichkeiten aus den 1980er Jahren waren mir trotz all der Zeit noch gut im Gedächtnis. Ir­gendwie fand ich die Handlung noch immer spannend, wenn auch mittlerweile andere Themenschwerpunkte an Bedeutung gewannen. Die Themenbereiche „Sinn und Unsinn der Technik im täglichen Leben“ und der Konflikt zwischen demokratischen und industriel­len Strukturen drängten sich beim regelmäßigen Ansehen der Fernsehnachrichten auf. Das bloße Erzählen der Geschichte von Sven Rahland erhielt so eine erweiterte, tiefere Bedeutung. Um die Erfahrungen aus den Anfängen der Erzählung sinnvoll zu nutzen, be­gann ich nun vor dem Schreiben der Handlung mit der Strukturierung derselben. Der ers­te Schritt bestand darin, die (Haupt-)Figuren in einer Tabelle zusammenzutragen. Und weil Tabellen so ungemein praktisch sind, gliederte ich die Handlung in den verschiedenen Strängen ebenfalls tabellarisch. Für den Einstieg half mir das ganz hervorragend, wenn auch manche Handlungsdetails wieder verschoben oder gestrichen wurden. Das eigentli­che Schreiben der Geschichte wurde dann der spannendste Teil des Ganzen. Ich hatte das Gefühl, einen Film vor meinen Augen ablaufen zu sehen, den ich nur noch in meinen Rechner zu tippen brauchte. Zelle für Zelle wurden jetzt die einzelnen Detailhandlungen beschrieben. Unklar war jedoch, ob der Film, den ich „sah“, aus einer Tabellenzelle einen Nebensatz oder ein Kapitel werden ließ.

Von Ende 2003 bis Ende 2006 dauerte es, die ersten 32 Kapitel des Buches zu schrei­ben, das zunächst den Namen „Nuovo Romanos“ – die Neuen Römer – trug. Hatte ich ge­glaubt, mit gut 500 DIN A 4-Seiten die Handlung erzählt zu haben, wurde ich bald eines Besseren belehrt. Es zeichnete sich ab, dass die Geschichte auch nach 600 Seiten noch nicht endgültig beschrieben war, weshalb ein sinnvolles „Zwischenende“ notwendig wurde. Im Zuge der verschiedenen Korrekturvorgänge änderte sich auch der Name des ersten Buches in „Octavians Erbe“ – in jenen Titel, den es bereits fünfundzwanzig Jahre zuvor trug. Das erst Buch umfasste schließlich etwa 700 DIN A 4-Seiten. Aber, wie bereits er­wähnt, waren noch längst nicht alle Handlungsstränge abgeschlossen.

Also wurde parallel zu den diversen Bewerbungsschreiben an die größeren Verlage (mit wachsender Frustration wurde die angepeilte Verlagsgröße ständig kleiner …) die Fortset­zung der Erzählung geplant und nach oben erwähntem Muster geschrieben. Eigentlich sollten hier nur noch wenige Kapitel folgen. Der Film vor meinem inneren Auge hatte aller­dings etwas Anderes vor: Ende 2008 füllte auch die zweite Hälfte der Geschichte, die den Arbeitstitel „Remus“ trägt, ebenfalls mit etwa 700 DIN A 4-Seiten einen weite­ren dicken Aktenordner. Um das Gesamtwerk, also die „Octavian-Saga“, in handliche Um­fänge zu unterteilen, wurden die beiden ursprünglich geplanten Bücher „Octavians Erbe“ und „Remus“ in insgesamt sechs Bände gegliedert. Diese sechs Bände sollen als Ta­schenbücher veröffentlicht werden.

Neben den ständig notwendigen Korrekturarbeiten bestand meine ungeliebteste Beschäfti­gung darin, die recht stilvoll gehaltenen und gelegentlich sogar richtig nett klingenden Ab­sageschreiben der Verlage ordentlich abzuheften …

Auch Besuche auf den beiden großen Buchmessen in Leipzig und Frankfurt konnten das Blatt nicht wenden, mich aber davor bewahren, das Manuskript erwartungsfroh an einen sogenannten „Druckkosten-Zuschuss-Verlag“ zu geben. Mehr aus Interesse sandte ich das erste Buch an einen solchen Verlag nach Frankfurt, um zu erfahren, wie dort gearbei­tet wird. Dem noblen Briefpapier folgte ein ebensolches Angebot: für eine von mir zu leis­tende Finanzierung der Druckkosten von ca. 17.000 (!) Euro war der „Verlag“ gerne bereit, die Seiten zu lektorieren und ein wenig Werbung dafür zu machen, sowie sich am mögli­chen Gewinn zu beteiligen. Dieses geniale Konzept findet wirklich seine – Opfer. Wie dem auch sei, ich wurde nicht Kunde beim … – jetzt hätte ich doch beinahe den Goethe-Verlag namentlich genannt – Zuschuss-Verlag. Ich versuchte mit Hilfe eines Volkshochschulkur­ses bei einem echten Insider aus der Bücherszene herauszubekommen, wie ich doch noch zu meinem Autorenvertrag kommen könnte – vergebens.

Ich biss also in den sauren Apfel, zahlte die professionelle Lektorierung der ersten zwei Drittel des ersten Buches selbst und suchte eine geeignete Druckerei, die schließlich „Rahlands Vermächtnis“ zur Realität werden ließ.

Da der erste Band der „Octavian-Saga“ ohne eine ISBN-Nummer veröffentlicht wurde, be­steht weiterhin die Hoffnung, dass eines Tages ein großer Verlag … na, Ihr wisst schon.

Ein Buch zu finanzieren ist das Eine, aber wie kommt das Geld für den Film zusammen? Man darf ja noch Träume haben, oder?

Die Literaturgeschichte zeigt immer wieder, dass die Lektorate der Verlage nicht immer die wirtschaftlich richtigen Entscheidungen treffen. So durfte niemand anders als Johann Wolf­gang von Goethe seinen „Götz von Berlichingen“ (richtig, der mit dem wohl bekanntesten Zitat der deutschen Literatur) selbst finanzieren, bis dann die „Rettung von außen kam“. Auch J. K. Rowling hatte mit ihrem Besen fliegenden Waisenknaben bei den Lektoren di­verser britischer Verlage keinerlei Erfolg und fand dann – wie durch Zauberei – die richti­gen Partner, die sie zur reichsten Frau Englands machten!

Nun, die reichste Frau Englands will ich nicht werden, aber ich darf gestehen, dass ich glücklich darüber bin, wenn die Bände der „Octavian-Saga“ eine große Leserschaft finden, diese begeistern und so der große Durchbruch gelingt. Das allerdings liegt jetzt in der Hand der Leserschaft. Ich wünsche also viel Freude, Berührung und Spannung beim Le­sen.

Ach ja, die beiden Bilder oben im Text sind die von mir handgemalten Covers für die Urfassung der Geschichte aus den Jahren 1979 und 1980.